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Herzlich willkommen bei der Emmy Noether Self & Society Gruppe,

unsere psychologische Forschung untersucht das Zusammenspiel zwischen dem Selbstkonzept (d.h. wie sich Menschen selbst sehen) und der Gesellschaft. Dabei interessieren uns vor allem die beiden großen Inhaltsdimensionen des Selbstkonzepts: Agency und Communion. Die Agency Dimension beinhaltet unmittelbar selbstdienliche Eigenschaften wie Dominanz, Kompetenz und

Tatkräftigkeit. Die Communion Dimension beinhaltet unmittelbar fremddienliche Eigenschaften wie Hilfsbereitschaft, Vertrauenswürdigkeit und zwischenmenschliche Wärme.

Wir beschäftigen uns zur Zeit vor allem mit der Überprüfung unserer "Sociocultural Motives Perspective on Self & Personality" (Gebauer, Paulhus, & Neberich, 2013). Diese Theorie geht davon aus, dass hohes Agency (Dominanz, Kompetenz, Tatkräftigkeit) bei Menschen das Motiv erweckt, gegen den soziokulturellen Strom zu schwimmen, während hohes Communion (Hilfsbereitschaft, Vertrauenswürdigkeit, Wärme) das Motiv erwecken sollte, mit dem soziokulturellen Strom zu schwimmen. In anderen Worten, hohes Agency führt dazu, anders sein zu wollen als die meisten Menschen im eigenen soziokulturellen Umfeld, während hohes Communion dazu führt, diesen anderen Menschen ähnlich sein zu wollen.

Das Zusammenspiel von Agency und Communion mit den soziokulturellen Motiven nach Andersartigkeit und Ähnlichkeit ist wichtig, um zu verstehen wo und warum Agency und Commmunion das menschliche Denken, Fühlen und Handeln beeinflussen. Ein Beispiel kann dies am besten verdeutlichen: Sagt hohes Agency und/oder hohes Communion vorher, ob Menschen religiös sind? Nach der Sociocultural Motives Perspective hängt die Antwort auf diese Frage davon ab, ob man Menschen untersucht, die in einem religiösen Umfeld leben, oder ob man Menschen untersucht, die in einem säkularen Umfeld leben. In einem religiösen Umfeld sollte hohes Agency mit relativ geringer Religiosität einhergehen, da agentische Menschen dort durch geringe Religiosität ihr Bedürfnis nach Andersartigkeit befriedigen können. In einem religiösen Umfeld sollte jedoch hohes Communion mit relativ hoher Religiosität einhergehen, da kommunale Menschen hier durch hohe Religiosität ihr Bedürfnis nach Ähnlichkeit befriedigen können. Konkret gesagt sollte also in den USA (einem relativ religiösen Land) hohes Agency mit relativ niedriger Religiosität einhergehen, während hohes Communion in den religiösen USA mit relativ hoher Religiosität einhergehen sollte.

In einem säkularen Umfeld jedoch sollte hohes Agency mit relativ hoher Religiosität einhergehen, da agentische Menschen dort durch hohe Religiosität ihr Bedürfnis nach Andersartigkeit befriedigen können. Zugleich sollte in einem säkularen Umfeld hohes Communion mit relativ niedriger Religiosität einhergehen, da kommunale Menschen hier durch niedrige Religiosität ihr Bedürfnis nach Ähnlichkeit befriedigen können. Konkret gesagt sollte also in Schweden (einem sehr säkularen Land) hohes Agency mit relativ hoher Religiosität einhergehen, während hohes Communion im säkularen Schweden mit relativ niedriger Religiosität einhergehen sollte. Unsere Sociocultural Motives Perspective hat sich bisher in vier Publikationen bestätigt (Gebauer, Bleidorn, Gosling, Rentfrow, Potter, & Lamb, in press; Gebauer, Leary, & Neberich, 2012; Gebauer, Paulhus, & Neberich, 2013; Gebauer, Sedikides, Lüdtke, & Neberich, 2014). Auf globalster Ebene belegt die Sociocultural Motives Perspective wie wichtig es ist Forschung zum Selbstkonzept mit Forschung zum soziokulturellen Kontext zu integrieren. Die Emmy Noether Self & Society Gruppe bemüht sich darum einen Beitrag zu dieser Integration zu leisten.

-- Jochen Gebauer